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Andy Cline hat sich während seines Englischstudiums und der Vorbereitung auf die Promotion an der Universität Missouri-Kansas City intensiv mit moderner Rhetorik beschäftigt. Neben anderen Arbeiten hat er auch einige Aufsätze über Internetrhetorik auf seiner Homepage veröffentlicht.
Rhetorik ist für ihn "the effective use of language".
(A. Cline: "Cyberhetoric"; http://cctr.umkc.edu/~acline/intro.html; Stand: 5/4/2001; 17:30 Uhr)
Mit dieser weitgefassten Definition kann er sämtliche Kommunikationsformen des Internets in seine rhetorischen Betrachtungen mit einbeziehen.
Der Schwerpunkt seiner Ausführungen liegt dabei auf der Betrachtung von interaktiven Internetbereichen, wie Mailing Listen, Chats, etc.. Für diese Kommunikationssituationen hat er eine Reihe von praktischen Regeln aufgestellt. In einem zweiten Schritt setzt er spezifische Internetkommunikation in Relation zu klassischen Rhetorik-Modellen.
=> Aktivitätsstufen im Internet
=> Cyberhetoric-Regeln
=> Plato und Aristoteles im Netz

:: Aktivitätsstufen im Internet ::

A. Cline vergleicht das Internet mit einer Art Grenzland. Viele verschiedene Interessen prallen aufeinander, es herrscht quasi eine Art Platzkampf.
Rhetorik stellt für ihn in dieser Metapher die Waffe dar, mit der man sich in solch ungeschützem Gebiet verteidigen kann. Er unterscheidet drei Arten, sich in diesem Areal zu bewegen.

  • to lurk (lauern)
    Damit ist das reine Betrachten von Inhalten gemeint. Der Nutzer konsumiert ausschliesslich, was ihm geboten wird.
  • to post (senden)
    Dies ist die aktive Teilnahme am Geschehen. Der Nutzer äussert sich, gibt seine Meinung bekannt und teilt sich aktiv mit.
  • to flame
    Flaming bezeichnet aggressives, provokantes Agieren oder Reagieren. Regeln des Anstands oder der reinen Höflichkeit werden dabei ausser Kraft gesetzt.
Die ersten beiden Formen bauen nach Cline aufeinander auf. Zu Beginn der Internetnutzung tastet man sich gewöhnlich langsam heran, indem man still beobachtet und ausschliesslich konsumiert. Mit wachsender Erfahrung wächst das Bedürfnis, aktiv in das Geschehen einzugreifen und man "postet" seine Meinung.

Während im normalen gesellschaftlichen Umgang die Maxime "geben ist seliger denn nehmen" gilt, empfiehlt Cline für das Internet: "It is better to lurk than to post."
(A. Cline: "A Weapon for the Brave New Frontier"; http://cctr.umkc.edu/~acline/intro.html; Stand: 5/4/2001; 17:30 Uhr)

Der Grund hierfür liegt im dritten beschriebenen Phänomen. Wer sich aktiv im Internet äussert, setzt sich automatisch der Gefahr aus, Opfer des "Flamings" zu werden.
Da "Flamer" keinen triftigen Grund brauchen, um ihre Attacken starten zu könne, sei es häufig schwer, dem "Flaming von vorne herein aus dem Weg zu gehen.
Um diesen Angriffen jedoch Herr zu werden, bedarf es nach Cline einigen rhetorischen Geschicks, oder einiger simpler Tricks.

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:: Cyberhetorik-Regeln ::

Cline gibt zehn Regeln an, die er aus verschiedenen Quellen zusammengestellt hat:

  1. Halte Deine Aussagen kurz und bringe sie auf den Punkt
  2. Warte mit der Antwort etwas ab (das gibt Zeit zum Reflektieren)
  3. Vermeide allzu Profanes
  4. Konzentiere Dich auf die Themen, nicht auf die Personen
  5. Vermeide Kommentare über das Privatleben anderer Nutzer
  6. Ignoriere "Flamers"
  7. Sende keine unpassenden Beiträge (z.B. Hähnchenrezepte in Vegetarier-Chats, etc)
  8. Sende keine Rundschreiben, Werbungen, u.Ä.
  9. Mache Dir erst ein Bild über die "Kultur" der Gruppe, bevor Du Dich aktiv beteiligst
  10. Nutze die angemessene Ausdrucksform für das entsprechende Forum
Diese zehn Regeln bezeichnet er als das Rüstzeug für einen erfolgreichen und angenehmen Umgang mit Newsgroups, Chats, etc.

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:: Plato und Aristoteles im Netz ::

Um sich erfolgreich an Diskussionen in Chatrooms und Communities zu beteiligen, schlägt Cline vor, sich zweier durchaus klassischer rhetorischer Strategien zu bedienen. Natürlich in einer angepassten reduzierten Form.
Er unterscheidet dabei zwischen Diskussionen Gleichgesinnter, die in erster Linie dem gegenseitigen Austausch von Informationen dienen, und kontroversen Auseinandersetzungen mit dem Ziel, andere von den eigenen Ansichten zu überzeugen.

Für den ersten Fall (Austausch unter Gleichgesinnten) schlägt er vor, sich an Plato zu orientieren.

Für die Auseinandersetzung mit Andersgesinnten rät er, sich eher Aristoteles' Rhetorik zu bedienen.

Stark vereinfacht sähen die Strategien dann wie folgt aus:

Schritte Plato Aristoteles
1. Definieren Grundlagen klären Grundlagen klären
2. Fragen Verständnis suchen Fehler finden
3. Antworten Gedanken mitteilen Überzeugen
4. Ergebnis Konsens, Erkenntnis "Sieg"

Auf der Grundlage dieser beiden Strategien sowie der daraus resultierenden "klassischen" rhetorischen Planung und Strukturierung der Diskurse hat man ein erprobtes und ausgefeiltes Instrumentarium der Argumentation zur Hand.

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