Cyberhetoric

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:: Die Drei Zeitalter der Kommunikation ::

In einem Aufsatz des Georgia Institute of Technology baut C.T. Bargeron seine Überlegungen zur Entwicklung der Rhetorik auf einem Epochen-Modell von W.J. Ong und E.A. Havelock auf. Dieses unterscheidet drei Zeitalter der Kommunikation:

  • Orality
    Orality bezeichnet das Kommunikationsverhalten vor Einführung des ersten griechischen Alphabets. Direkter Kontakt und damit eine grosse Auswahl an nonverbalen Kommunikationsmitteln sind typisch für diese Epoche.
  • Literacy
    Von der Entwicklung des griechischen Alphabets bis zur Nutzung verschiedener Druckverfahren zeichnet sich ein grosser Teil der Kommunikation in der Phase der "Literacy" durch fehlende nonverbale Kommunikationsformen sowie eine lange Lebensdauer des Geäusserten aus.
    Daraus ergeben sich Veränderungen in Bezug auf rhetorische Formen, die an anderer Stelle ausführlich erläutert sind. (vgl. hierzu u.A. V. Belarmino: "Orality vs. Literacy"; http://www.lcc.gatech.edu/gallery/rhetoric/; Stand: 5/4/2001; 10:19 Uhr)
  • Secondary Orality
    Mit dem Aufkommen neuer Technologien ergab sich abermals eine Veränderung der Kommunikationsformen. Die technisch unterstützte Kommunikation umfasst Vorgänge des Telegrafierens und Telefonierens ebenso wie Fax oder Bildschirmtext. Eigenschaften schriftlicher und mündlicher Kommunikation greifen ineinander.
    Die Entwicklung des Internets fällt in diese Epoche, die noch weiterhin andauert. Um Internetrhetorik besser betrachten zu können, ist es daher lohnenswert sich etwas intensiver mit dieser dritten Epoche der Kommunikation auseinanderzusetzen.
Diese Epochen sind dabei nicht als absolut zu betrachten. Sie lösen einander nicht ab sondern bauen aufeinander auf und ergänzen sich. Die verschiedenen Erscheinungsformen der Kommunikation sind stets zu beobachten.
"Regardless of which medium is chosen, primary orality, literacy, and secondary orality will exist in each one; they will inform one another, infuse one another, and create one another" (Welch, zitiert nach: Bargeron: "Electronic Communication"; http://www.lcc.gatech.edu/gallery/rhetoric/; Stand: 5/4/2001; 10:19 Uhr)

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:: Rhetorik im Internet ::

Aus den besonderen Gegebenheiten des Internets lassen sich einige Richtlinien zur Rhetorik ableiten.
Die hohe Geschwindigkeit und die starke Interaktivität geben dem Rezipienten einen höheren Stellenwert als in anderen Kommunikationsformen. Im Internet hat der Rezipient quasi jederzeit die Möglichkeit, den Kommunikationsfluss zu unterbrechen (sogar stärker als in anderen elektronischen Medien, da die Auswahl an Alternativen wesentlich grösser ist.)
Eine scheinbar unendliche Vielzahl an Informationen "is just a click away. This makes rhetoric very important in order to persuade the viewer to look at their web document instead of someone else's. ..."
(Bargeron; "Electronic Communication"; http://www.lcc.gatech.edu/gallery/rhetoric/; Stand: 05/04/2001; 12:09 Uhr)

Die Wahl der rhetorischen Mittel hängt damit verstärkt vom Zielpublikum ab. Es ist nicht nur notwendig ein breites Repertoir an Mitteln zur Verfügung zu haben, es ist darüber hinaus notwendig, die Bedürfnisse und Reaktionen der Rezipienten möglichst schnell herauszufinden und in die eigenen Kommunikationsstrukturen zu integrieren.

Weiterhin unterscheidet sich die Kommunikation auch innerhalb des Internets in Bezug auf ihre Vergänglichkeit. Während Chats oder Newsgroups relativ kurzlebig sind, verbleibt die Information auf Websites ungleich länger. Auch elektronische Mails können lange aufbewahrt werden und haben daher einen anderen Charakter als das schnell vergängliche "gesprochene" bzw. "nur so dahingeschriebene" Wort in quasi zeitgleichen Kommunikationsformen.

Einige Regeln zur Rhetorik der interaktiven Online-Kommunikation finden sich bei A. Cline, University of Missouri-Kansas City.


Zur gelungenen Ansprache des Zielpublikums auf Internetseiten, sowohl privat als auch im Business-Bereich, gibt es mittlerweile eine ganze Reihe von Abhandlungen, Anweisungen, etc.
Eine Auswahl davon findet sich auf dieser Seite unter der Rubrik: Homepages.

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:: Neue Rhetorik ::

Ebenfalls auf der Rhetorik-Seite des Georgia Institute for Technology befindet sich ein Aufsatz von J. Petraglia-Bahri, dem Initiatoren des Projekts, in dem er die "Neue Rhetorik" des 20. Jh. erwähnt. Diese sei "the rediscovery of rhetoric's epistemological importance and the centrality of persuasion and argument to our everyday lives. ..."
(Petraglia; "A Brief Overview of Rhetoric"; http://www.lcc.gatech.edu/gallery/rhetoric/; Stand: 05/04/2001; 12:09 Uhr)
Wichtigste Vertreter dieser "neuen" Richtung sind u. A. Steven Toulmin, C. Perelman und K. Burke.

Zwar ist das Internet noch nicht Objekt dieser Betrachtungen, doch bieten sie einige interessante Ansätze zur Ausweitung der rhetorischen Betrachtungsweise, die sich hervorragend auf Kommunikation im Internet anwenden lassen.
"Instead of studying old rhetorical works for content or structure, New Rhetoricians are now trying to understand what was happening in the time the text was authored that brought it about and what affect the text had on the society. ..."
(R. Cameron Craddock; "The New Rhetoric"; http://www.lcc.gatech.edu/gallery/rhetoric/; Stand: 05/04/2001; 12:09 Uhr)

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:: Das "Netoric-Project" ::

1993 entstand ein privates Projekt, das sich seitdem regelmässig mit dem Thema "Kommunikation im Internet" befasst. Ursprünglich auf Mailing Listen basierend, später in MOO's fand sich eine Gruppe von (fast ausschliesslich) Lehrern zusammen, die die Nutzung des Internets für interaktives Lernen und Lehren optimieren wollten.

Diese Gruppe befasste sich vor allem in der Anfangszeit intensiv mit netzspezifischen Ausdrucksformen. Der enge Bezug zur Rhetorik ist nicht zuletzt auch an der Namensgebung gut zu erkennen.

In einem regelmässig stattfindenden vituellen Internet-Cafe findet sich die ständig wachsende Gemeinschaft zusammen, um aktuelle Themen rund um Computer- und Internet-Welt zu erörtern und Erfahrungen auszutauschen.

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